German, German please.
let it be German.
Amadeus
1984
Amadeus
Als der Film rauskam, war ich ein Kind.
Ich war sofort verloren.
Nicht vorsichtig interessiert, nicht neugierig.
Sondern sofort völlig verliebt.
Der Film tat sein Werk,
und meine Eltern nutzten den Moment.
Sie tauchten mich ein,
ohne Vorwarnung,
ohne Erklärung,
und ohne Rücksicht auf mein Alter.
Am Anfang hörte ich Mozart, um Eindruck auf andere zu machen.
Aber es war Mozart, der Eindruck auf mich machte.
Ich bin ältere Schwester, genau wie Nannerl.
Fünf Jahre älter als mein Bruder, genau wie Nannerl.
Vielleicht deshalb war seine ältere Schwester nie eine Randfigur.
Nicht, ‘die Schwester von’.
Nannerl war schon da, von Anfang an.
Reiste mit, spielte mit, mit Wolferl.
Nannerl & Wolferl
Und für Nannerl blieb er immer Wolferl,
aber meistens war er Wolfgang, in seiner Muttersprache.
Wolfgango Amadeo für die Sprache der Musik.
Ein typischer Scherz, der zeigte, wie sehr er spielen konnte mit Namen und Sprachen.
Amadé in den französischen Salons.
Charmant und elegant, wie die Sprache.
Amadeus für das alles übergreifende Latein.
Eine Übersetzung des griechischen Theophilus.
Getauft wurde er als Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart.
Die Welt kennt ihn als Wolfgang Amadeus Mozart.
Klingt gut !
Wurde aber in dieser Form kaum so gebraucht,
weil er war lieber Franz von Nasenblut oder Edler von Sauschwanz.
War es eine Identitätskrise oder gerade eine Fähigkeit?
Vielleicht brauchte er all diese Namen, weil einer allein nicht reichte,
als Künstler in einer zersplitterten Welt.
Europa war ein Mosaik der Mächte.
Das Fürsterzbistum Salzburg war eines von vielen.
Ohne starke Identität, ohne eigene Sprache.
Und Mozart ?
Menschen, die im Schlamm oder unsauber arbeiteten, nannte man Motzen.
Daraus entstand der Name Mozart.
An sich auch ein guter Scherz.
Wolfie & Stanzie
Zuhause.
Für mich meine Sprachen.
Für ihn die heiligste Sprache.
Salzburg war sicher, aber erdrückend.
Wien war die Metropole, das Ziel.
Mannheim war ein logischer erster Schritt.
Kein Ort der Macht, aber der Musik.
Es wurde kein Zuhause werden, eher ein Zwischenraum,
und mit diesem Wissen begab er sich auf seine erste Soloreise.
Ein Mann mit vielen Namen und vielen Sprachen, aber einer Frau.
Dort lernte er sie kennen.
Sie stammte aus einer musikalischen Welt,
lebendig aber unsicher und immer unterwegs.
Sie war an das Leben gewöhnt, das ihr zukünftiger Mann führte, und führen würde.
Jahre später, als sie beide Wien erreichten,
heirateten sie und wurde ihr Wolfie, ‘der Mann von Stanzie’.
Sie lebten bereits zusammen.
Beides war ohne die Erlaubnis seines Vaters, eine damals sehr ernste Situation.
Mozarts Musik war meisterhaft,
aber dass er sich selbst hierher wählte,
gegen Sicherheit, ohne Segen,
ist für mich vielleicht sein größtes Meisterwerk.
Und Stanzie ?
Sie war das einzige Konstante in seinem ganzen Leben.
Sie ließ ihn einfach sein, und gerade deshalb blieb er.
Und was sein darf, kann am Ende loslassen ..
Lacrima
Eine Träne.
In einer Sprache, die niemand spricht, und doch von allen verstanden wird.
Kurz nachdem er begonnen hatte an seinem mythischen Requiem,
übrigens für einen geheimnisvollen Auftraggeber, wurde er krank.
Er wusste, dass er es nicht vollenden würde.
Und irgendwo stoppt Mozarts Hand.
Diese Tatsache ist vielleicht der faszinierendste Aspekt seines ganzen Lebens.
Die am meisten akzeptierte Version ist die des Lacrimosa.
Dort hält die Musik einen Moment inne,
und er akzeptiert, dass jemand anderes sie vollendet.
In einer Welt von Autorschaft und Ego, ist das Revolutionär.
Ist das Loslassen.
Für mich ist sein Requiem kein Abschied vom Leben,
sondern Anwesenheit beim Sterben.
Sein eigenes Sterben.
Claudia Lago di Garda
la vostra corrispondente dal Lago di Garda
(heute aus Peschiera)

